Die Pferde haben uns! – Teil II

Alberta beschenkte ihren Retter

Als die Situation 1944 weiter eskalierte, fanden bis zum 15. Januar des Folgejahres lediglich noch interne Mariendorfer Rennen statt. Allein am 17. Februar warf die Royal Air Force 3300 Tonnen Bomben über Berlin ab, der 2. Weltkrieg kehrte an seinen Ausgangspunkt zurück. Im April überrollte die Rote Armee das Havelland. In Paulinenaue zogen Kosaken ein, die den Abtransport aller Pferde organisierten. Hartnäckig auf eine spätere Rückführung hoffend, hefteten die Knauers ihren Schützlingen Kärtchen ans Halfter, darauf waren Name, Alter und Abstammung vermerkt. Tage nach dem Abmarsch erschien ein Kosakenoffizier auf dem Lindenhof, an den sich Arthur Knauer nur zu gut erinnerte. weiter lesen »

»Die Pferde haben uns!«

Erinnerungen an den Paulinenauer Traberzüchter Arthur Knauer - Teil I

»Es war eine wilde Urgegend, wie die Hand der Natur sie gebildet hatte, ein Seitenstück zu den Urwäldern Südamerikas, nur kleiner und nicht Wald, sondern Luch. Es zeigte damals in großer Ausdehnung, was kleinere Bruchflächen der Mark noch jetzt zeigen. Weit und breit bedeckte ein Rasen aus zusammen gefilzter Wurzeldecke von bräunlich-grüner Farbe die wassergleiche Ebene, deren kurze Grashalme besonders den Riedgräsern angehörten. In jedem Frühjahr quoll der Boden durch das hervordringende Grundwasser auf, die Rasendecke hob sich in die Höhe…«.

So charakterisierte Karl Friedrich Klöden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Brandenburger Gegenden wie das Havelländische Luch. Hier, zwischen Nauen und Friesack, etablierte sich, thronend auf einer Talsand-Insel zwischen Gräben, Wald, Gras und Torf, das kleine Örtchen Paulinenaue (heute Landkreis Havelland, Amt Friesack). Nur die ältesten der gerade mal 1.000 Einwohner können sich noch an Arthur Knauer erinnern, der – zusammen mit seinem jüngeren Bruder Carl – in der grünen Einsamkeit des Luchs 1916 das Gestüt Lindenhof gegründet hatte. Grund genug, sich des berühmten »Stuten-Derby«-Namensgebers zu erinnern.  weiter lesen »

Nouba du Saptel – der Vorhang ist gefallen

Kurz nach ihrem Auftritt im von Commander Crowe vor Russel November gewonnenen »Prix de La Capelle« am Sonntag, in dem sie sich mit müden Beinen und wenig ansehnlicher Gangart als Fünfte ins Ziel raufte, hatte ihr treuer Pfleger Olivier Bénard den Abschied schon angedeutet: »Kann sein, dass das heute Nouba du Saptels letztes Rennen war – die endgültige Entscheidung wird wohl morgen fallen.« weiter lesen »

Meister der Beschränkung

Robert Großmann galt schon zu Lebzeiten als »König der Trabrennfahrer«

»Vor den Preis haben die Götter den Schweiß gesetzt!« – Diese geflügelten Worte charakterisieren sehr treffend das Leben und Wirken von Robert Großmann, schon zu Lebzeiten anerkennend »König der Trabrennfahrer« getauft. In der ewigen Fahrer-Bestenliste Deutschlands steht der am 10. August 1870 geborene Berliner mit 1.071 Siegen zu Buche, die er zwischen 1889 und 1942 herausfuhr. Anno 1888, dem eigentlichen »Geburtsjahr« des deutschen Trabrennsports, galt Großmann noch als jugendlicher Stammgast auf der Bahn von Weißensee in Berlin. Bereits ein Jahr später – am 15. September – eröffnete in der Spree-Metropole das Westender Hippodrom, wo es Robert Großmann vergönnt war, in einem 2300-Meter-Verkaufsrennen der schlechteren Klasse erstmals zu starten. weiter lesen »

Nur mit den Augen stehlen

»Atom-Rolf« Dautzenberg wurde Europameister, fuhr zwei »Derby«-Sieger und gewann mehr als 100 Zuchtrennen

»Das stimmt! Er war einer meiner Lieblinge. Ein solches Pferd habe ich selten erlebt! Ein Traber aus Stahl und Eisen«, schaute Rolf Dautzenberg in einem HEAT-Interview zurück. »Reado konnte sich immer wieder aufbauen… Noch mit elf Jahren hat er mit mir im August 1993 das Deutsche Traber-Championat geholt«. – Somit ähnelte der Crack (1:11,7 / 1.297.816 DM) auch ein wenig seinem oftmaligen Steuermann, der sich im Auf und Ab des Trainerlebens nie aufgegeben hat. Das belegen ein Europameister-Titel, zwei »Derby«-Lorbeerkränze, acht »St. Leger«- und vier »Gold-Pokal«-Erfolge sehr eindrucksvoll. Am Ende der Karriere durfte »Atom-Rolf«, wie die Fans den deutschen »catch-driver« Nr. 1 anerkennend getauft hatten, nach 18.861 Fahrten auf 5.318 Siege zurückblicken, darunter mehr als 100 in Zuchtrennen. weiter lesen »